31. Dezember 2015

Das alte Jahr geht dahin - Páei o paliós o chrónos -

Kalí Chroniá! - Ein gutes Jahr!

Ein gutes Jahr 2016 wünsche ich allen Bloglesern mit diesem alten griechischen Lied, das heute und morgen viel gesungen wird in Griechenland. Seine ersten Strophen auf Griechisch, in Umschrift und auf Deutsch stehen unterhalb des Videofensters. Falls Ihr Euch über die begleitenden Motive wundert, in Griechenland ist an Silvester oder Neujahr Bescherung - nicht an Weihnachten.

Πάει ο παλιός ο χρόνος
ας γιορτάσουμε παιδιά
και του χωρισμού ο πόνος
ας κοιμάται στην καρδιά


Καλή χρονιά καλή χρονιά
καλή χρονιά καλή χρονιά
Χαρούμενη, χρυσή Πρωτοχρονιά!




Γέρε χρόνε φύγε τώρα,
πάει η δική σου η σειρά
ήρθε ο νέος με τα δώρα
με τραγούδια με χαρά


 Καλή χρονιά καλή χρονιά
καλή χρονιά καλή χρονιά
Χαρούμενη, χρυσή Πρωτοχρονιά! 
Páei o paliós o chrónos
as jortásume pediá!

ke tu chorismú o pónos
as kimáte stin kardiá


Kalí chroniá kalí chroniá
kalí crhoniá kalí chroniá
charúmeni, chryi Protochroniá!



Jére chróne fýge tóra,
pái i dikí su i sirá
írthe o néos me ta dóra
me tragúdia me chará


Kalí chroniá kalí chroniá
kalí chroniá kalí chroniá
charúmeni, chryi Protochroniá!



Das alte Jahr geht dahin,
lasst uns feiern, Kinder!
Und der Abschiedsschmerz
soll schlafen im Herz


Gutes Jahr, gutes Jahr
Gutes Jahr, gutes Jahr
Glückliches, goldenes 
Neujahr!



Geh' jetzt, altes Jahr,
es ist an der Zeit für dich
Das neu kam mit Geschenken,
mit Liedern, mit Freude.


Gutes Jahr, gutes Jahr
Gutes Jahr, gutes Jahr
Glückliches, goldenes
Neujahr!




26. Dezember 2015

Drei Bücher als Feiertagslektüre

Drei Bücher habe ich mir für die Feiertage an meinem Lesesessel bereitgelegt.
  • Time for Change, das neue, Mitte diesen Jahres erschienene Buch des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis, das den Untertitel "Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre" trägt. Ein wenig Einsicht in die Gedankenwelt dieser interessanten griechischen Persönlichkeit erwarte ich mir davon und vielleicht kann mir das Buch ja auch tatsächlich das für mich bislang eher unzugängliche Thema Wirtschaft etwas näher bringen. Nachdem ich schon den Bescheidenen Vorschlag zur Lösung der Eurokrise, den Varoufakis mit zwei Co-Autoren verfasst hatte, verständlich und lesenswert fand, bin ich gespannt.
  • Griechische Klagelieder - Mit Verweisen auf Epen Homers - Eine Sammlung der Gesänge, die griechische Klageweiber am Totenbett anstimmen, von Vassilis P. Matsinopoulos mit deutschen Übersetzungen von Sibylle Heising. Das Buch erschien 2013 im Verlag Königshausen und Neumann. Mich hat eine Freundin darauf aufmerksam gemacht, die es mir auch gleich geliehen hat. Ich freue mich auf diesen für mich ganz neuen Aspekt griechischen Lied- und Volksguts und die zweisprachige Ausgabe kommt meinen noch immer recht mühsamen Versuchen, griechische Texte im Original zu lesen, entgegen.
  • "Griechische Augenblicke: Gedichte und Bilder" von Dieter Seidel - ein auch bereits 2013 im Verlag der Griechenland Zeitung erschienener kleiner zweisprachiger Poesie- und Bildband, der bereits beim ersten Durchblättern Lust darauf macht, mit seiner Hilfe abzutauchen in Erinnerungen eigener unvergesslicher Augenblicke auf den griechischen Inseln. Den werde ich mir wohl gern mal so als Betthupferl gönnen, um meinen Träumen von glücklichen, sonnigen Tagen in Griechenland auf die Sprünge zu helfen.

24. Dezember 2015

Frohe Feiertage!

Kala Christoujenna!  (Frohe Weihnachten!)  möchte ich allen Blogbesuchern mit einem traditionellen  griechischen Weihnachtslied wünschen. Begleitet wird der Gesang von typischen Szenen der griechischen Weihnachtszeit.

In Griechenland ziehen zur Weihnacht Kinder von Tür zu Tür, klopfen an und  fragen "Na ta pume?" ("Sollen wir sie vortragen?) . Gemeint sind Kalanda genannte Lieder wie dieses hier. Für ihren Vortrag bekommen die Musikanten und Sänger gewöhnlich ein kleines Geschenk wie Süßigkeit oder etwa Geld.

21. Dezember 2015

Zwei Arten Weihnachtslieder in Griechenland

So wie es zwei Arten von Weihnachtsschmuck in Griechenland gibt - den Weihnachtsbaum und das traditionsreicherer Weihnachtsboot, so gibt es auch zwei Arten von Liedern: Westliche und traditionelle, die je nach Festtag (Weihnacht, Neujahr und Epiphanie) und Gegend variierten.

Beliebt ist in Griechenland die Kindergruppe Zouzounia (Sprich Susunia mit weichem s und Betonung auf dem zweiten u) . Hier singt sie zur westlichen, an das Lied Jingle Bells angelehnten, Melodie einen griechischen Text, der von trigona (= Triangeln) und kalanda (= traditionelle Lieder für die Weihnachtszeit zwischen Heiligabend und Epiphanie am 6. Januar) erzählt. Denn mit solchen Triangeln ziehen an den Festtagen die Kinder in Griechenland von Haus zu Haus, um die kalanda genannten Lieder vorzutragen und dafür ein kleines (Geld-)geschenk zu bekommen. Weitere Artikel zum Weihnachtsfest in Griechenland:
< Weihnachten in Griechenland
< Kalanda  - traditionelle griechische Lieder zu Festen wie Weihnachten und Neujahr

13. Dezember 2015

#Kastanas - griechischer Twittertrend zu Polizeiaktionen, Politik ... und Kastanienverkäufern

Seit gestern macht ein neuer Twittertrend Furore unter griechischen Twitterern: #Kastanas.


Kastanas heißt auf Griechisch der Kastanienverkäufer. Um diese Jahreszeit ist er nicht wegzudenken vom griechischen Stadtbild. Für kleines Geld bietet er auf Straßen und Plätzen ein Tütchen wohlschmeckender Esskastanien feil, an dem man sich die Fänger wärmen kann, bevor man sich an den duftenden und schmackhaften frisch gerösteten Kastanien labt.
"Ich habe mich entschlossen, als Gesetzloser zu leben, als Herumtreiber und Staatsgefährder. Ich werde Kastanien verkaufen #kastanas" 
heißt es da zum Beispiel.

 oder aber:
 "Kastanienverkäufer ergebt Euch! Ihr seid umzingelt!" 
"Er wird wohl auf der Lagarde-Liste gewesen sein, anders ist es nicht zu erklären."
kommentiert Twitterer Panos den von ihm weitergeleiteten Tweet von i-Kouk,
der zu berichten weiß, "13 Polizisten, 2 Polizeiwagen ... für einen Kastanienverkäufer. Wahrscheinlich war es der verkleidete Dr. Doom." und auch gleich ein Bild vom massiven Polizeieinsatz liefert.

Hintergrund:

Mit großem Polizeiaufgebot war ein alter Kastanienverkäufer auf dem zentralen Aristotelesplatz in Thessaloniki dingfest gemacht worden, den man dabei beobachtet hatte, dass er für die Tütchen gerösteter Kastanien, die er verkaufte, keine Quittung ausgestellt hat, ähnlich wie es auch schon armen alten Frauen ergangen sein soll, die Kräuterbündchen oder ein wenig Gemüse aus ihrem Garten auf der Straße feilboten, so dass die Polizei ausrücken musste. Steuerhinterziehung! Ein Teil der Twittergemeinde macht sich darüber lustig, wie ein Polizeiaufgebot, das eher eines Terroranschlags als eines armen, alten Straßenhändlers würdig wäre, sich auf einen Kastanienverkäufer stürzt, während ein anderer sich ordentlich erbost und auf die Regierungspartei SYRIZA und ihren Chef Tsipras losgeht, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als die Ärmsten der Armen in noch weitere Bedrängnis zu bringen und schließlich heißt es natürlich "Jesuis #kastanas"

Quelle: Griechischsprachige Website Arouraios (= Ratte )



1. Dezember 2015

"Generalstreik" am 3. Dezember 2015

- aktualisiert am 02.12.2015 -

Eine Streikwelle bahnt sich diesen Herbst in Griechenland an.
Gerade mal drei Wochen nach dem letzten Generalstreik haben die zwei großen Gewerkschaftsdachverbände ADEDY (des öffentl. Dienstes) und GSEE (der in der Privatwirtschaft Beschäftigten) für Donnerstag, den 3. Dezember, zu einem neuen Streik aufgerufen.
Und wieder wollen sich viele Einzelgewerkschaften anschließen.

Auch Beschäftigte der Kommunen und des öffentlichen Verkehrs und Ärzte der öffentlichen Krankenhäuser wollen am Streik teilnehmen.

Ganztags sollen keine Fähren, Schiffe und Bahn verkehren. I

Im Athener Nahverkehr sollen Metro, Busse, Trolleys und Tram zwar zweischen 9 und 21 Uhr fahren, jedoch davor und danach in den Ausstand treten. Die Vorortbahn, der Proastiakos, hingegen fällt so wie die griechische Bahn 24 Stunden aus. Das bedeutet jedoch, dass auch der Internationale Flughafen von Athen nicht durchgehend mit der U-Bahn erreichbar ist. Denn die Teilstrecke  zwischen der Station Douk. Plakentias und dem Flughafen wird vom Proastiakos bedient bzw. am 3.12. wegen Streik ganztags NICHT bedient.

Schließlich ist auch der Flugverkehr betroffen. Als bislang letzte hat die Gewerkschaft ΟΣΥΠΑ mitgeteilt, dass auch sie sich zwischen 12 und 16 Uhr am Streik beteiligt. Das bedeutet Verschiebungen und Ausfälle bei innergriechischen Flügen. Falls nicht auch noch die Gewerkschaft EEEKE der Fluglotsen sich entscheidet, in den Ausstand zu treten, sollten internationale Flüge jedoch nicht davon betroffen sein.

Weitere Artikel zum Thema:
> Griechische Gewerkschaften und deren Streikaufrufe
> Metro von Athen und deren Verhalten bei Streiks 

30. November 2015

Tyropita über alles! ...

... und (fast) alles für eine tyropita. 

Witziger aktueller Twittersturm

Pita ist definitiv eine der weit  verbreitetsten griechischen Spezialitäten. Der Varientenreichtum ist unendlich. Tyropita, die Käsepita, ist die beliebteste. Doch auch die gibt es in allen erdenklichen Formen: Klassisch als käsegefüllte Blätterteigtasche, doch auch im Ganzen vom Blech, als Schnecke, als Törtchen u.v.m.

Da sie nicht nur von Hausfrauen und Tavernen, sondern vor allem auch von Bäckern und Imbissbuden für wenig Geld angeboten wird, gilt sie als schnelles, preiswertes Essen schlechthin.

Wenn ich in Griechenland unterwegs bin, schätze ich diesen Snack vor allem als bequemenes Frühstück vom Bäcker. Inzwischen haben manche Bäckereien sogar eine Espressomaschine, so dass man dazu einen Cappuchino trinken kann. Ein schnelles, sättigendes und billiges Frühstück.

Doch heute rede ich aus aktuellem Anlass über Tyropita. Denn gerade hat sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Furore gemacht. Jede Menge witziger Ideen und Kommentare hat ein Artikel der Times über eine Studie losgetreten, die zu dem Ergebnis kam, dass es griechische Studentinnen gibt, die sich für etwas zum Essen verkaufen. Na ja, und was ist eine klassische, beliebte und billige Mahlzeit: Eben die Tyropita. Darum lautete der Hashtag für diesen Twittersturm #tyropita.
Unter diesem Kennwort wurden (und werden z.T. noch) Überlegungen, Rezepte, Fotos uvm. gepostet, z.B:
"Wenn ich mir #tyropita mit meinem eigenen Geld kaufe, gilt das als Selbstbefriedigung?"
"Wie soll ich mich jetzt morgen verhalten, wenn ich beim Bäcker eine #tyropita verlange?"
Natürlich kann man in diesem Licht unter dem Hashtag #tyropita auch zu verstehen geben, dass sich jemand (z.B. ein Politiker) verkauft, wenn man einfach sagt, er esse #tyropita.
Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Und einfallsreich sind sie, die Griechen. Und Galgenhumor hilft über schwere Krisenzeiten hinweg.

> weitere Tyropitas und andere griechische Backwaren

29. November 2015

Neuer Lesestoff: Arkas


Natürlich habe ich auch von meiner diesjährigen Herbstreise nach Griechenland wieder einige Comicbände von Arkas mitgebracht. Neben Kieseln vom Strand, Masticha und Bergtee gehören sie zu meinen üblichen Souvenirs. Denn ich liebe die witzigen Anekdoten des mysteriösen Humoristen Arkas. Und seine knappen Dialoge in schlichter Alltagssprache halten meine nicht allzuguten Griechischkenntnisse zwischen zwei Griechenlandaufenthalten wach. Sprachlich sind die Anekdoten auch mit bescheidenen Griechischkenntnissen gut zu verstehen. Den typisch griechischen Witz zu verstehen ist hingegen nicht immer einfach. Und zu übersetzen sind sie auch oft nur schwer. Denn oft spielt Arkás mit der griechischen Sprache. Beispielsweise wenn einer seiner Charaktäre sagt: Μ'ΑΡΕΣΕΙ ΝΑ ΜΙΛΑΩ ΠΡΟΣΤΥΧΑ ΣΤΟ ΚΡΕΒΑΤΙ! .. ΣΙΜΕΡΑ ΤΟ ΠΡΩΙ ΤΟ ΕΙΠΑ "ΚΩΛΟΚΡΕΒΑΤΟ" ΚΑΙ "ΣΚΑΤΟΕΠΙΠΛΟ" (Hier nutzt er aus, dass ΣΤΟ (STO) im Griechischen sowohl IM als auch ZUM bedeuten kann, im Deutschen macht es hingegen einen Unterschied, ob man  Obszönitäten im oder zum Bett sagt)
 So erscheinen die neueren Werke des Comicautors leider auch nicht auf Deutsch. Ältere deutsche Übersetzungen, wie beispielsweise Herrmann der Hahn sind nur noch im Antiquariat erhältlich, was natürlich schade ist.
 Der Comickünstler Arkás ist ein Mysterium. Denn Arkás ist nur ein Pseudonym. Nie tritt der Künstler an die Öffentlichkeit. In Griechenland sind seine Comics sehr beliebt und in momentanen Krisenzeiten ist ihr Konsum wohl auch ein Teil Krisenbewältigung, denn sie vermögen selbst den widrigsten Umständen noch etwas lächerliches abzugewinnen. Und wenn es da heißt „Die Quallen haben 650 Millionen Jahre ohne Gehirn überlebt. Was veranlasst euch eigentlich zu glauben, dass unser Land keine Zukunft hat?“, so gibt das doch wohl selbst jenen, die über die gegenwärtige griechische und europäische Politik nur den Kopf schütteln können, noch Anlass zu Optimismus, oder?

25. November 2015

Chronia polla, Katerina! - Hier noch ein Lied zum Namenstag

Sehr zahlreich sind die griechischen Lieder, in denen irgendeine Katerina, eine Rina oder ein Katerinaki (=Koseform von Katerina) eine Rolle spielt. Nachdem ich hier gestern bereits eines davon vorgestellt haben, nun ein weiteres anlässlich des heutigen Namenstags. Auch wer eine Katína, Nina, Keti, Katia oder Rina kennt, sollte ihr heute "Chrónia pollá!" sagen - den typischen griechischen Glückwunsch zum Namenstag, der in etwas "Viele Jahre!" bedeutet. Denn all diese Kurzformen leiten sich von Katerina ab.

24. November 2015

Katerina - zum Namenstag am 25. November

Am 25. November feiert auch die griechisch orthodoxe Kirche das Fest der heiligen Katherina. Und alle Frauen, die Katerina oder Ekaterina heißen, haben Namenstag. Gerufen werden sie oft Katerináki Katína, Nina, Kaiti, Katia oder Rina. Da der Name Katerina so weit verbreitet ist, kommt er auch in vielen griechischen Liedern vor. Eines davon hier als Namenstagsständchen für alle, die Katerina heißen:

29. Oktober 2015

Marathon auf Originalstrecke von Marathon nach Athen am 8. November 2015

Marathonläufe gibt es vielerorts, „DEN MARATHON“ aber nur in Griechenland - dieses Jahr am 8. November 2015

 Auch in Berlin, London oder New York kann man im sportlichen Wettkampf Strecken von  knapp über 40 Kilometern laufen. „DEN MARATHON“, die Mutter aller Marathons, hingegen kann man nur Griechenland laufen. Jeden Herbst findet der Athener Klassische Marathon vom namensgebenden historischen Ort Marathon in die Stadt Athen statt. Dieses Jahr ist der Termin am 8. November 2015.

Auf der klassischen Strecke kann sich der Läufer beim Absolvieren seiner  42,195 Kilometer ganz als hemerodromos  fühlen, als antiker Botenläufer, wie einst Pheidippides, der im Jahr 490 v.Chr. die Botschaft vom Sieg über die Perser in der Schlacht von Marathon nach Athen trug. Nur dass diese Strecke für Pheidippides der Überlieferung nach nur ein Abschnitt seines insgesamt 400 Kilometer langen Laufs war, an dessen Ende er mit den Worten „Freut Euch, wir haben gesiegt“ den archonten (höchsten Staatsbeamten) die ihm aufgetragene Kunde überbrachte, bevor er tot zusammenbrach. Eindeutig geschichtlich belegt sind weder Name noch Leistung des Peidippides. Überlieferungen von Zeitzeugen fehlen. Auch der im Jahr der Ereignisse geborene Herodot berichtet nichts davon. Tatsache ist nur, dass irgendwer 490 v. Chr. die Strecke von Marathon nach Athen lief, um vom Sieg über die Perser zu künden. Und so hielt sich die Bezeichnung Marathon für Läufe über eine vergleichbare Distanz bis heute. Mutter all dieser sportlichen Veranstaltungen bleibt die klassische Route in Griechenland. Die Marathonläuferin Heidi Diakoumopoulos, die 2008 als Dritte des Griechischen Kaders ins Ziel lief, beschreibt sie als Gastautorin in meinem Buch „Griechenland erleben – mehr als Säulen und Sonne“ zusammen mit ihren persönlichen Eindrücken vom Lauf und dem geschichtlichen Hintergrund.

26. Oktober 2015

Herbstreise nach Korfu und auf die diapontischen Inseln


Kürzlich bin ich von einer wunderschönen Herbstreise in die nordwestliche Ecke Griechenlands zurückgekehrt. Von Korfu aus habe ich mit meinem Mann die drei Inselwinzlinge Othoni, Errikousa und Mathraki besucht, die zusammen die Inselgruppe der Diapontischen Inseln bilden und - vor allem um diese Jahreszeit außerhalb der Touristensaison - sehr ruhig und einsam sind. Stundenlange Spaziergänge ohne einen Menschen zu treffen, einsame Buchten und lange Sandstrände ganz für uns allein! Schön war's! Auch das Wetter! Das Meer richtig schön warm und alle Tage sonnig und warm bis heiß. Soweit nordwestlich in Griechenland hatte ich letzteres gar nicht zu hoffen gewagt. Auf den ionischen Inseln waren wir schon länger nicht mehr. Statt dessen zieht es uns normalerweise im Herbst weiter nach Süden - auf die Kykladen- oder Dodekanesinseln, die uns immer wieder bis weit in den Oktober hinein mit schönem Wetter verwöhnen.

Sobald ich den Kälteschock und Arbeitsstau beim Zurückkommen überwunden habe, mehr von der diesjährigen Herbstreise ins ionische Meer auf meinem Griechenland-Reiseblog.

16. August 2015

Neue CD des Griechenlandfreunds Konstantin Wecker

Nicht nur weil mir seine Musik gefällt und diese Doppel-CD ein regelrechtes, limitiertes Gesamtkunstwerk ist, möchte ich Konstantin Weckers neues Album Ohne Warumhier empfehlen. Denn allein dadurch hätte es sich nicht so recht für einen Griechenlandblog qualifiziert. Es ist Konstantin Weckers stimm- und tatkräftiges Engagement für das Griechenland der Krise und vor allem dessen Menschen, das mich bewog, sein neues Werk allen Bloglesern wärmstens zu empfehlen.

29. Juli 2015

Mikis Theodorakis wird 90

Am 29. Juli 2015 wird Mikis Theodorakis 90 Jahre alt. Die Welt kennt ihn als großen Komponisten. Seinen Sirtaki, den Alexis Sorbas einst im Film tanzte und der heute für Stimmung auf "griechischen Abenden" im Urlaub ebenso wie  im Bierzelt daheim sorgt, kennt nahezu ein Jeder. Doch geht sein Werk, das Sinfonien, Oratorien, Bühnenmusik u.v.m. umfasst, weit über dergleichen Welthits hinaus.

Und in seiner Heimat Griechenland ist Mikis Theodorakis weit mehr als "nur" ein großer Künstler. Er ist ein Volksheld. Denn seine Biographie und sein Werk bilden eine Einheit und sind untrennbar mit der griechischen Geschichte seiner Zeit verbunden, in der er nicht nur als Musiker, sondern auch als Widerstandskämpfer und Politiker eine bedeutende Rolle spielte. Darüber schrieb ich einen Artikel, der am 29.7.2015 in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erscheint. Hier im Video sein erstes Konzert nach dem Ende der Militärdiktatur, die in Griechenland von 1967 bis 1974 herrschte. Es wurde zu einer Feier der Rückkehr zur Demokratie

6. Mai 2015

Lesung in Augsburg am 12. Juli 2015


Kulturtreff Griechenland

mit der Autorin
Heidi Jovanovic

am Sonntag, 12. 07. 2015 um 18:00 Uhr 
im Bürgertreff Hochzoll im Holzerbau Neuschwansteinstr. 23 a,  86163  Augsburg
- bei gutem Wetter im schönen Hof im Freien -
Eintritt frei

Im Rahmen eines griechischen Abends
mit griechischen Imbiß
stellt Autorin Heidi Jovanovic ihr Buch
Fettnäpfchenführer Griechenland
vor und führt anhand kleiner,
unterhaltsamer Reise- und Alltagsgeschichten
in Sitten und Gebräuche, Gestik, Mimik, Mentalität,
Kultur und Lebensart der Griechen ein.

Es soll ein unterhaltsamer, fröhlicher Abend werden, der griechisches Lebensgefühl aufkommen lässt - wenn das Wetter mitspielt im schönen Hof hinter dem sehenswerten barockisierenden Walmdachbau mit seinem Uhrtürmchen, den der Architekt Otto Holzer 1915 als zweites Hochzoller Schulhaus errichtet hat.

ANFAHRT
Der Holzerbau liegt an der Neuschwansteinstraße 23a, wenige Meter neben der Werner-von-Siemens Volksschule und gegenüber der Heilig Geist Kirche.
- Lage bei Google Maps anzeigen

öffentl. Verkehr :
Ca. 5 Minuten zu Fuß von der Straßenbahnhaltestelle Hochzoll-Mitte der Linie 6 an der Friedberger Straße. Hier haben Sie Anschluss an die Buslinien 29, 30 und 31.

mit dem Auto :
Zufahrt über die Karwendelstraße in die Neuschwansteinstraße; neben dem Holzerbau steht ein Parkplatz zur Verfügung.

WEBLINK
Griechenlandwebsite der Autorin



30. April 2015

1. Mai - Tag der Arbeit und der Blumen

Der erste Mai ist auch in Griechenland wie in vielen anderen europäischen Ländern gesetzlicher Feiertag - der Tag der Arbeit. Doch nicht nur das.
Gleichzeitig gilt der Protomajá, wie man ihn in Griechenland nennt, als Tag des Frühlingserwachens, den man auch gern mit Picknick, Musik und Tanz und vor allem vielen Blumen feiert. Man flicht Blumenkränze, die bevorzugt an oder über Türen und Fenstern aufgehängt werden, wo sie bleiben, bis sie am 24. Juni dem  Sonnwendfeuer übergeben werden.
Immer wieder ist am ersten Mai in Griechenland aber auch mit Streiks, Straßensperren und Umleitungen zu rechnen, da Arbeiter für ihre Rechte und Forderungen demonstrieren und Gewerkschaften Kundgebungen veranstalten.


26. April 2015

Roosevelt-Zitat des griechischen Finanzministers Varoufakis

Immer wieder mal meldet sich der momentan in den Medien sehr umstrittene griechische Finanzminister auch auf Twitter. Heute zitierte er dabei Franklin D. Roosevelt (FDR):
"In ihrem Hass gegen mich sind sie einig. – Und ich stelle mich gerne ihrem Hass"
Innerhalb von knapp über einer Stunde wurde sein Zitat rund 600 mal "retweeted", also weitergegeben und in etwa ebensoviele Nutzer des Twitterdiensts bezeugten ihren Gefallen daran, indem sie es zum "Favorite" machten. Bis zum Abend waren es schon 1800 bzw 1600. Und natürlich gab es jede Menge Kommentare.
Einer der Kommentatoren grub ein weiteres Zitat von Roosevelt  aus, das ich sehr passend für die gegenwärtige politische und ökonomische Situation finde, und das bereits Sahra Wagenknecht am 26.01.2012 in einer Rede in der Bundestagsdebatte über das Finanzmarktstabilisierungsgesetz benutzt hat.

"We know now that Government by organized money is just as dangerous as Government by organized mob." FDR, 1936.
 ("Wir wissen jetzt, dass es genauso schlimm ist, vom organisierten Geld regiert zu werden, wie vom organisierten Verbrechen regiert zu werden.")
Viele wünschen Varoufakis Glück und Erfolg. Freilich gibt es auch ironische und kritische Stimmen, wie
die der Twitterer Stathis Kalyvas und Paschos.
Ersterer meint: Wenn er von der Regierung entlassen werde, so werde er twittern, dass Jesus auch gekreuzigt wurde. 
Letzterer kommentiert: Wenn das so ist, sollten Sie zurücktreten. Sie mögen sich ihrem Hass gern stellen, doch das Land kann es sich nicht leisten.

22. April 2015

Das Fest des Hl. Georg in Griechenland

St.Georgs-Kirche auf der Insel Koufonissia
Georgios oder Giorgos (sprich: Jorgos)  zählt zu den beliebtesten griechischen Vornamen. Auch die weibliche Form Georgia ist recht verbreitet. Dementsprechend feiern am 23. April, dem Tag des Heiligen Georg,  viele Griechen und Griechinnen Namenstag und damit ihr größtes persönliches Fest des Jahres. Denn Namenstage haben in Griechenland größere Bedeutung als Geburtstage.
Gleichzeitig feiern die ebenfalls zahlreichen Kirchen, die dem Heiligen geweiht sind, ihr panigyri - das alljährliche Patronatsfest mit festlichen Gottesdiensten, denen oft Prozessionen, Musik und Tanz folgen. Gern werden bei den Prozessionen Pferde mitgeführt. In manchen Gemeinden gibt es auch Pferderennen. Denn schließlich wird der Heilige Georg ja auf den Ikonen hoch zu Roß dargestellt. Mancherorts fangen die Feierlichkeiten bereits am Vortag, also am 22. April, an.

Nur wenn der 23. April in die Fastenzeit vor Ostern fällt, wird das Fest verschoben, denn Musik und Tanz, Pferderennen, Speis und Trank passen nicht in die dem Leiden Christi und der Menschen gewidmete Passionszeit.

Im Video eine St.Georgs-Prozession auf Kreta in der Nähe von Chania:

2. April 2015

April! April!


Angela-Merkel-2014Yanis-Varoufakis-Berlin-2015-02-05Vielleicht kann ein herzliches Lachen zum Aprilanfang ein wenig Frühlingsstimmung und Entspannung ins doch recht angekrazte griechisch-deutsche Verhältnis bringen.

Nach der hervorragenden Satire von Max Uthoff und seinen Kollegen von "der Anstalt" zum Märzende, bei der einem das Lachen allerdings zumindest am Ende im Hals stecken blieb, haben einige deutsche Medien versucht, uns in den April zu schicken.

Wer hat's geglaubt, dass der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis die Internet-Währung Bitcoin einführen will um den leidigen Euro zu ersetzten? Angesichts des gegenwärtigen Engpasses wäre es einem regen, innovativen Geist wie dem seinen doch schon zuzutrauen, oder?

Und dass Griechenland Lizenzgebühren für den Begriff Europa fordern will? Hmmm ...?! Tatsache ist, dass Europa Griechenland seinen aus der griechischen Mythologie stammenden Namen verdankt. Trotzdem scheint die Forderung schon sehr grotesk. Andererseits, ... hmm?! So vieles im Verhältnis zwischen der EU und Griechenland ist grotesk, dass man allmählich alles für möglich hält.

Schließlich Merkels Absicht, ein Ferienhaus auf einer kleinen griechischen Insel zu erstehen? Warum eigentlich nicht? Vielleicht gelänge es ihr ja vor Ort ein wenig mehr Verständnis für die Probleme des Landes zu entwickeln? Und die andere Seite, die Griechen? Gastfreundlich und aufgeschlossen waren sie schon immer. Unzählige Touristen erfahren das Jahr für Jahr, Medienhetze hin oder her.

April! April!

(Fotoquelle:  Jörg Rüger (Eigenes Werk) [CC BY 3.0],  Michael Thaidigsmann (eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0] und Bontissy [freigeben in die public domain] via Wikimedia Commons

31. März 2015

Super Satire auf Griechenlandhilfe, die keine ist

Hervorragende Satire auf die Griechenlandhilfe, die EZB, die Troika und die Bankenkrise sowohl auf Youtube als auch im Fernsehen - im ZDF am 31. März und 22.15 Uhr. Die Sendung erklärt mit viel Witz auch komplexe Zusammenhänge und geht auch auf Themen ein, die sonst in den meisten Medien tabu zu sein scheinen. Zeus, Tavernen-Wirt, Türke, die Troika, Opfer von Kriesgreueln - alle kommen sie zu Wort.


24. März 2015

V für Varoufakis! - Der griechische Finanzminister als Musicalstar

Heute hat der am 24. März 1961 in Athen geborene Wirtschaftswissenschaftler und gegenwärtige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis Geburtstag. 

Pöbelnder Polter-Politiker, Polit-Rambo, Polit-Punk, GeisterfahrerZocker  und was man ihn sonst nicht noch alles nennt in der deutschen Presse! Griechenlands schriller Finanzminister ist für sie DER Aufreger unter den Politikern zur Zeit. Das NEO Magazin strahlte diese Hommage an den Mann, der seelenruhig lächelnd derart die Gemüter erhitzt, aus:


22. März 2015

Neue Bücher eingetroffen

Zur Zeit liegen vor allem Sachbücher neben meinem Lesesessel.

Zu lesen angefangen habe ich das bereits 2011 erschienene Buch "Pleite - Griechenland, der Euro und die Schuldenkrise" von Matthew Lynn, das ich nach einigen fruchtlosen Versuchen endlich in meiner Stadtbücherei ergattern konnte. Bisher war es dauernd ausgeliehen, wenn ich mich danach umsah.
Im Buchhandel ist die gebundene Ausgabe mit dem griechisch blau-weiß gestalteten Cover offenbar bereits vergriffen.
Der Verlag brachte Ende 2012 statt dessen ein in knallroter Warnfarbe gestaltetes Taschenbuch unter dem Titel "So ging Griechenland pleite - Die Geschichte einer Staatsschuldenkrise" heraus.

Gerade in der Post waren zwei weitere aktuelle Bücher, die ich beim Online-Buchhändler Amazon bestellt hatte, weil sie mein Interesse geweckt hatten:

Yanis Varoufakis "Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise", den er zusammen mit Stuart Holland und James K. Galbraith verfasst hatte noch bevor er griechischer Finanzminister wurde.

Und Ernst Wolffs "Weltmacht IWF - Chronik einer Raubzugs". Auf das Buch wurde ich über den Artikel "'Hilfszahlungen' an Griechenland – Wie die Mainstream-Medien die Wahrheit auf den Kopf stellen" aufmerksam, nachdem mich der Autor Ernst Wolff durch eine Erwähnung meines Twitter-Accounts "griechisches" angestoßen hatte, ihn mir anzusehen.


20. März 2015

Selten so gelacht!

Lang meinte man "Pleite" oder "Krise" reime sich gut auf "Griechenland". Doch wieviel besser reimt sich "Fake" (= engl. für Fälschung) auf "Varoufakis", zumindest was die Medienpräsenz angeht. Jedenfalls war das ganze Getue um den Gebrauch von Mittelfingern schon einen Lacher wert, umsomehr die (vermeintliche?!) Auflösung des medialen Rätsels:

Alles dank Varoufakis, dem griechischen Finanzminister ...

... dank seines fotogenen Antlitzes und Mittelfingers laufen kleinere unter den deutschen Medien zu ihrer Hochform auf, während sich Mainstreammedien blamieren.

Echt oder Fake oder Fake eines Fake? Hat der aktuelle griechische Finanzminister Varoufakis tatsächlich einmal anno 2013, als er noch nicht im Amt war, seinen Mittelfinger obszön gegen die Deutschen erhoben??? Er selbst sagt, nein - das Video, in dem eine solche Geste zu sehen ist und mit dem Günter Jauch ihn in seiner Sendung bloßzustellen versuchte, sei eine Manipulation.

Jan Böhmermann gibt Varoufakis Recht und zeigt in seinem TV-Magazin im Detail wie die Manipulation zustande kam - als eine raffinierte Bildmanipulation. Ein schönes Anschauungsbeispiel wie wenig Bildern zu trauen ist - und - wie sich am Ende herausstellt - ein treffender Hack, ein exzellentes Stück Satire! Wirklich vom Feinsten! Besser kann man die Medien nicht aufs Korn nehmen! Und wenn das dann noch aus den eigenen Reihen kommt, so ist das brilliant subsversiv! Eben ganz im Sinne der Veranstalter des "Subversive Festivals", auf dem das Video entstand, aus dem Jauch einen aus dem Zusammenhang gerissenen Ausschnitt zeigte und damit Anlass gab, dass sich Medien ebenso wie Stammtischbrüder und Nähkränzchenschwestern am laufenden Band über den Mittelfinger des griechischen Finanzministers das Maul zerreißen, als gäbe es nichts Wichtiges auf der Welt.

23. Februar 2015

Christos Ikonomou - Warte nur, es passiert schon was

Schluss mit lustig! Auch in Griechenland ist ab heute der Karneval vorbei. Traditionell nimmt man von ihm mit Drachensteigen, Musik, Tanz und fleischlosem Picknick - möglichst mit Meeresfrüchten - Abschied. 

Zufällig lese ich gerade das dritte der drei Bücher, die ich mir unlängst in der Augsburger Stadtbücherei besorgt habe: Den Erzählband ""Warte nur, es passiert schon was" von Christos Ikonomou. Und er passt bestens in die gegenwärtige Fastenzeit. Zu Lachen gibt es darin nichts - jedenfalls soweit ich bis jetzt kam  - dafür eine Menge zum Nachdenken, zum Bangen und Hoffen mit den beziehungsweise für die armen, geschundenen Protagonist(inn)en. Nur bringen die Gedanken keine Lösung, die Hoffnung wird zerschlagen. Und immer wieder beginnt eine ganz neue Geschichte, die ebenso traurig wie die letzte ist.

6 der insgesamt 16 "Erzählungen aus dem heutigen Griechenland" (wie der Untertitel des Buches lautet) habe ich bis jetzt gelesen, Geschichten über verlassene und bestohlene, geprügelte, vergewaltigte, angekreischte, vom Hunger geplagte, der Freunde beraubte Individuen. Sie trösten sich mit Salatherzen - frisch und zart; mit der Süßspeise Halvas, deren Duft sich kurz über den Geruch von der Einsamkeit und miesen Armut legt und die sich sogar zu einer Menschengestalt formen und mit ins einsame Bett nehmen lässt. Sie versuchen es mit Zwiegesprächen mit Katzen, mit einem selbstgebastelten, an einem Besenstiel befestigten Plakat. Doch die Lieblingskatze endet schließlich grausam und das Plakat bleibt ohne Aussage  - weiß doch der durch einen tragischen Arbeitsunfall seines Freundes beraubte Jannis nicht, was er darauf schreiben könnte, und zieht mit der leeren Tafel zur Unfallstelle, um für den Verunglückten zu demonstrieren. Ebenso wie das Plakat ist er voll von einer unglaublichen Leere. Echten Trost finden sie ebensowenig wie eine echte Perspektive - nicht einmal eine kurze Auszeit aus der täglichen sinnlosen Tretmühle - ein wenig Humor, ein herzliches Lachen. Ich habe das Gefühl, dass der Autor damit bewusst gegeizt hat, um sein Bild des heutigen Griechenland durch die ewige Wiederholung allein des Melancholischen bis tief Traurigen umso eindringlicher zu zeichnen - wie ein Maler, der nur  kalte, düstere Töne auf seiner Leinwand zulässt, um einen speziellen Effekt zu erzielen, eine bestimmte Botschaft zu übermitteln.

Damit kontrastiert das von Ikonomou gezeichnete Griechenlandbild sehr stark mit dem meinen. Klar, ich kenne das Land vor allem in einer Urlaubssituation und vorwiegend im ländlichen Raum und auf den Inseln, die großen Städte besuche ich immer nur kurz. Jedenfalls traf ich immer wieder auf Menschen, deren Fröhlichkeit und positive Grundeinstellung zum Leben sehr robust und kaum durch etwas unterzukriegen schienen.  Ähnlich wie mir scheint es auch beispielsweise dem deutschen Autor Landolf Scherzer bei den Recherchen für seinen Krisenbericht aus Griechenland mit dem Titel "Stürzt die Götter vom Olymp - Das andere Griechenland" gegangen zu sein, der viele hart von der Sparpolitik, von Arbeitslosigkeit und fehlenden Sozialleistungen Betroffene portraitiert hat. Was mir an seinem Krisenbericht besonders auffiel, war dass viele von ihnen beispielsweise in der Solidarität mit ihren Mitmenschen Trost und Hoffnung gefunden haben. Von ihrer immer wieder durchbrechenden Fröhlichkeit und ungebrochenem Mut zeugen zahlreiche Berichte und Fotos in Scherzers Buch.

Lachende, trotz allem heitere Personen passen aber offenbar ebensowenig wie humorvolle Sichtweisen in das Bild, das Ikonomou sehr eindringlich mit seinen Erzählungen zeichnet - ein Bild einer menschenunwürdigen Umwelt, in der unterschiedliche Individuen verzweifelt immer wieder das schon geradezu unmöglich gewordene Menschsein versuchen. So tieftraurig dieses Bild sein man, ich tauche gern in die von Ikonomou gezeichnete Welt ein, um seinen Protagonist(inn)en durch die Straßen und entlang den Kais von Piräus zu folgen und von Erzählung zu Erzählung klarer und deutlicher zu spüren: So darf das nicht weitergehen in Griechenland oder irgendwo.  Und sosehr mir an  Ikonomous Helden auch der Aspekt des Humor und der Fröhlichkeit fehlt, so vertraut kommen mir doch andere Eigenschaften vor, wie die Empathie, die Vorliebe für tiefgreifende, geradezu philosophische Überlegungen, die gute Beobachtungsgabe und die Kontaktfreude und Lust am Gespräch, womit gerade in den misslichen Lagen, in denen sie sich befinden auch Verzweiflung einhergeht, wenn etwas, das sie fühlen, das sie bewegt, eben einmal gar nicht zu kommunizieren – ja noch nicht einmal in Worte zu fassen – ist.
So ein Arbeiter in der Erzählung „Das Blut der Zwiebel“:
"Ich würde so gern fluchen. Wenn du wüsstest, wie gern ich fluchen würde. Aber es kommt nichts. Und ich kann nicht mal darüber reden, verstehst du? Und weil ich nicht sagen kann, was ich fühle, habe ich Angst, dass ich es auch nicht mehr fühle. Dass es verlorengeht. Dieses Schweigen macht mir große Angst. Das ist so brutal. Wie viel Schweigen kann ein Mensch mit sich herumtragen?"
Ein anderer verspürt in der Erzählung "Ein mit Kohle gemaltes Schnurrbärtchen":
"Ich habe den Eindruck, dass ich das alle nicht mir den Ohren höre, sondern mit dem Herzen."




20. Februar 2015

Yanis Varoufakis - neuer griechischer Finanzminister

Yanis Varoufakis Subversive interview 2013 cropped
Finanzminister Varoufakis hat den Griechen beigebracht, über Finanzen und Wirtschaft zu diskutieren, ohne immer alles in Zahlen zu fassen. Genau diese Fähigkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge als Mechanismen und nicht als Zahlenkolonnen zu erklären, brachte ihm erst die Popularität, welche ihn auf den Ministersessel hievte. Varoufakis ist in Griechenland dafür bekannt, dass er Dinge beim Namen nennt und Euphemismen mit Vehemenz als Lügen entlarvt

schreibt Wassilis Aswestopoulos am 18. Februar 2015 in Telepolis.

Damit war der am 24. März 1961 in Athen geborene Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis bereits lange vor dem Wahlsieg der Partei Syriza und seiner Ernennung zum Wirtschaftsminister ein beliebter Gesprächspartner für all jene, die versuchten, die Eurokrise zu verstehen und über Wege aus der Krise nachdachten. Ich hatte ihn damals durch Christian Rathners Buch " Durch die Krise kommt keiner allein" kennen und schätzen gelernt. Seither lese ich auch regelmäßig seinen Blog und folge seinem Twitter-Account, auf dem er sich (meist auf Englisch) schon mal spontan zu Wort meldet, wenn er falsch in den Medien zitiert wurde und zeigt, dass er auch kleine kulturelle Auszeiten aus seinem anstrengenden Job zu schätzen weiß.

Varoufakis hat zahlreiche Werke zu wirtschaftlichen Themen, zur Krise und zur Spieltheorie geschrieben.
Am 27. Februar 2015 erscheint im Verlag Antje Kunstmann  "Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise " von von Yanis Varoufakis, Stuart Holland und James Galbraith.

Kaum jemand will wohl ernsthaft dem Ökonomen, der schon vor der Euroeinführung das heutige Dilemma prophezeit hatte, sein profundes Fachwissen und seine besonders ausgeprägte Fähigkeit, Zusammenhänge zu erfassen und verständlich und klar darzustellen, abstreiten. Und dennoch gibt es gegenwärtig in der deutschsprachigen Presse jede Menge Schelte und Häme für den unkonventionellen, sich gern lässig kleidenden neuen Finanzminister, den sie mal  Pöbelnden Polter-Politiker oder  Geisterfahrer, mal Polit-Punk und Zocker nennt.



18. Februar 2015

Freue mich auf Charis Alexiou April / Mai 2015


Die Tickets liegen schon bereit. In München, im Circus Krone, tritt die beliebte griechische Sängerin am 3. Mai 2015 auf und darauf freue ich mich schon!

Am 18. April 2015 beginnt die Europa-Tour in Stuttgart. Es folgen, Rotterdam am 20.4., Brüssel am 22.4., Uppsala am 25.4., Köln am 28.4., Zürich am 29.4., Nürnberg am 2.5., bevor München am 3.5. dran ist. Danach dann noch Berlin und Frankfurt.

Zum Repertoire der großen, am 17. Dezember 1950 in Theben geborenen griechischen Künstlerin mit ihrer unverwechselbaren, markanten Stimme gehören neben traditionellem griechischen Liedgut  und Rembetika auch  Balladen und Chansons. Mit auf Tour geht ihr Nouveau Sextet.

16. Februar 2015

Griechische Komponente in den Romanen von Andreas Schäfer

Drei Romane hat der Journalist und Autor Andreas Schäfer bis jetzt vorgelegt. Einer harten Zerreißprobe ausgesetzte Familienbande spielen in allen drei eine Rolle und - teils mehr, teils weniger - Griechenland.
Letzteres ist kein Wunder, ist doch die Mutter des 1969 in Hamburg geborenen und zur Zeit in Berlin lebenden Autors Griechin.

Gelesen habe ich bis jetzt die beiden letzten der drei Romane - mit viel Vergnügen. Nachdem ich diese Website als Griechenlandblog konzipiert habe, will ich hier vor allem auf die griechische Komponente in den Büchern eingehen. Ich finde es interessant, wieweit sich griechische Wurzeln eines in Deutschland geborenen, lebenden und arbeitenden griechischstämmigen Autors in seinem Werk spüren lassen.

In "Wir vier" scheint Griechenland nur im Hintergrund auf, als Ort der Sehnsucht, wohin sich der ehemalige Pilot Lothar vielleicht gern zurückziehen würde, nachdem der gewaltsame Tod eines seiner beiden Söhne seine Familie und seine ganze Welt zerbersten ließ. Kurz entschlossen fliegt er für kurze Zeit auf eine griechische Insel. Seine Frau fürchtet, er wolle nicht mehr zurück kommen und er gibt zu, dass es diesen Gedanken gab. Schließlich versuchen er und seine Frau Ruth sich aus der hilflosen Starre, in die sie durch den tragischen Verlust ihres Kindes gefallen sind, zu lösen. Ruth durch eine Kontaktaufnahme mit dem Mörder ihres Sohns und Lothar durch ein neues Projekt, in das er seine brachliegende Energie steckt - einen Segelflugplatz, auf einem Grundstück, das er in der Nähe des Hauses der Familie kauft. Auch hier kommt Griechenland wieder in den Sinn. Es gibt ihm den Eindruck eines Beckens, das ihn an eine Hochebene auf einer griechischen Insel erinnert, eine kaum bewachsene Ebene aus rissiger Erde, von verwachsenen Olivenbäumen eingefasst. Das Becken hier sammelte eine ähnliche Ruhe, kraftvoll und besänftigend ....

Der Roman "Gesichter" nimmt seinen Beginn mit dem Ende eines Familienurlaubs auf einer griechischen Insel und der Einschiffung in der westgriechischen Hafenstadt Patras. Hier wird der auf Gesichtsblindheit spezialisierte Neurologe Gabor Lorenz Zeuge, wie ein Flüchtling auf einen Lastwagen springt, um unbemerkt auf die Fähre zu gelangen. Er wirft ihm eine Tüte mit Obst in den Laster, ohne daran zu denken, dass darin auch einige an seine eigene Berliner Anschrift adressierte Postkarten stecken. Während diese schön langsam - eine nach der anderen - bei ihm Eintreffen, wächst in ihm ein diffuses Gefühl der Bedrohung... - und dann verschwindet auch noch seine ältere Tochter. Hat der Flüchtling etwas damit zu tun? Oder ist sie vielleicht auf die Ferieninsel zurückgekehrt, wo die Familie ein Haus besitzt und wo sie sich im Urlaub verliebt hatte? Lorenz fliegt wieder auf die Insel, um nach ihr zu suchen.

Soviel zum konkret Griechischen in den beiden Büchern. Und was ist mit Schäfers Fixierung auf familiäre Probleme? Jedenfalls würde es mich nicht wundern, wenn ein Mensch mit griechischen Wurzeln das Fehlen oder Zerbrechen einer heilen, sich gegenseitig Halt gebenden Familie empfindlicher spürt als viele Deutsche, für die es wohl eher zur alltäglichen Realität geworden ist, als meist noch in Griechenland, wo die Familie noch weit mehr ein sicherer Hafen ist  - besonders in Zeiten des Sturms wie der gegenwärtigen Krisensituation.

Lust gemacht hat mir die Lektüre der beiden obigen Werke von Andreas Schäfer darauf, auch endlich seinen Debütroman "Auf dem Weg nach Messara" zu lesen. Es scheint das "grieschichste" seiner drei Bücher zu sein. Im Zentrum steht eine Beerdigung in Griechenland und das Zusammentreffen einer deutsch-griechischen Familie zu diesem Anlass. Da ich das Buch selbst bislang noch nicht gelesen habe, hier der Hinweis auf eine Rezension in der FAZ und weitere Rezensionsausschnitte beim Perlentaucher.


15. Februar 2015

Unterschiedliche Termine bei Festen der Ost- u. Westkirchen

Warum feiern Ost- und Westkirchen ihre beweglichen Feiertage teils zu unterschiedlichen Terminen?

Ostern und die davon abghängigen Feste

Alle christlichen Kirchen feiern Ostern prinzipiell am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Dennoch deckt sich das Datum des Osterfests in Ost und West nur in wenigen Jahren.

Hauptgrund für die meist unterschiedlichen Termine zwischen Ost- und Westkirchen sind die unterschiedlichen Kalender, die sie der Festsetzung ihrer Kirchenfeste zugrunde legen.
 Während erstere sich nach dem älteren julianischen Kalender richten, legen letztere den neueren gregorianischen Kalender zugrunde. Einige orthodoxe Kirchen, wie beispielssweise die russische, ukrainische und serbische, tun dies für all ihre Feiertage, während andere, wie zum Beispiel die griechische nur das in der Orthodoxie wichtigste Fest, das Osterfest, und die davon abhängigen beweglichen Feiertage wie z.B. Pfingsten nach dem julianischen Kalender bestimmen, die restlichen Feiertage aber nach dem dem weltlichen Kalender entsprechenden gregorianischen Kalender feiern. Die Differenz zwischen beiden Kalendern beträgt zur Zeit und noch bis 2099 dreizehn Tage, die man zum jeweiligen Datum entsprechend gregorianischer Zeitrechnung addieren muss. Das Vereinbarte Datum für den Beginn des Frühlings, dessen erster Vollmond als Grundlage für die Festlegung des Osterfests dienen soll, ist der 21. März - folgt man dem julianischen Kalender sind dazu also 13 Tage zu addieren, woraus der 3. April nach weltlichem bzw. gregorianischem Kalender resultiert. Wäre noch verhältnismäßig einfach und würde uns noch öfter, als tatsächlich der Fall ist, gemeinsame Ostern bescheren.

Nun bestimmt der julianische Kalender aber auch den Vollmond anders, nämlich nach dem Meton-Zyklus, woraus weitere Differenzen resultieren. Letzlich meidet die orthodoxe Kirche auch noch einen Ostertermin der an oder vor dem jüdischen Pessach-Fest liegt. All dies sorgt für weitere Abweichungen zwischen den östlichen und westlichen Festterminen.

10. Februar 2015

Neuzugang für meinen Lesesessel


Für die nächsten Februarabende liegen bereit:

"Erzählungen aus dem heutigen Griechenland" von Christos Ikonomou unter dem Titel "Warte nur, es passiert schon was"

und

die beiden Romane Wir vier und Gesichter von Andreas Schäfer

Letztere beiden Romane und deren Autor klingen zwar nicht gerade Griechisch?

Tatsächlich schrieb sie der 1969 in Deutschland als Sohn eines deutschen Vaters und einer griechischen Mutter geborene Andreas Schäfer auf Deutsch. Der Autor ist in Deutschland aufgewachsen. Mitte Zwanzig nahm er griechischen Sprachunterricht und reiste für ein Jahr nach Griechenland. Er wollte die Verbundenheit und Sehnsucht, die er für das Land spürte, für ihn fassbarer werden lassen. Grieche? Deutscher? Deutschgrieche? Andreas Schäfer hat sich verortet: Er fühle sich als Mitteleuropäer. Mehr zu ihm in diesem Artikel  der Deutschen Welle, einschließlich Fotos des Autors - typisch griechische Gesichtszüge, oder?

Weiterer Blogbeitrag dazu:
> Meine Buchbesprechung von "Warte nur,es passiert schon was" des Christos Ikonomou


5. Februar 2015

Wer rettet wen? - Film klärt auf

Grafik Wer rettet wen
 Leidtragende der Finanzkrise sind Menschen - in Griechenland und anderen betroffenen Ländern.
Was gerettet wird, sind aber nicht sie, sondern Banken.

Nach WATER MAKES MONEY und BAHN UNTER DEM HAMMER wirft auch der neue Film WER RETTET WEN? von Leslie Franke und Herdolor Lorenz einen Blick von unten auf die Probleme, die uns alle angehen.
Am 11. Februar 2015 soll der Film an möglichst vielen Orten gleichzeitig zu sehen sein – und ein Tag später ist regulärer Kinostart.
 
Seit Jahren werden Banken und Länder gerettet. Politiker schaffen immer neue Rettungsfonds, während mitten in Europa Menschen  wieder für Hungerlöhne arbeiten und bis zur Verarmung und Verzweiflung geschröpft werden.

Für Großbanken ist die Finanzkrise vor allem ein Geschäftsmodell. Und die ständig „verstimmten“ und „enttäuschten“ Finanzmärkte scheinen ein besonderes Wesen zu sein, das bei Laune gehalten werden muss. Um die Laune der Menschen, die Opfer einer ihnen untragbare Lasten aufbürdenden und sie ihrer sozialen Sicherheit beraubenden Austeritätspolitik geworden sind, schert sich hingegen wohl niemand. Oder endlich vielleicht doch?

Die von einer großen Wählerzahl legitimierte neue griechische Regierung will neue, menschlichere Wege gehen und eckt damit bei fast ausnahmslos allen Europäischen Politikern und Medien übel an. Deshalb kommt dieser Film genau im richtigen Moment! Hoffentlich gelingt es ihm, möglichst vielen Menschen in ganz Europa ein tieferes Verständnis der Krise zu vermitteln und damit Wegbereiter einer echten Rettung daraus zu sein.

Liste der Filmvorführungsorte und -daten.