20. April 2017

Musik ist drin im Mai 2017 - griechische Musik!

Freunde griechischer Musik in Deutschland kommen im Mai 2017 auf ihre Kosten. 

Eine griechische Musikerlegende wird geehrt und kommt nach Deutschland

Ein Porträtkonzert widmen die Düsseldorfer Symphoniker in der Tonhalle Düssseldorf am 24. Mai 2017 dem großen griechischen Musiker und Widerstandshelden Mikis Theodorakis. Kernpunkt des Konzerts sind die große und kämpferische 2. Symphonie „Das Lied der Erde“, von der Theodorakis sagte, sie sei „der musikalische Ausdruck für die Tragödie der Zeit,“ sowie das Adagio aus der Symphonie Nr. 3. Das Besondere: Der 92-jährig Theodorakis plant, bei dem Konzert anwesend zu sein.

Griechische Lieder und Chansons von einem der seit Jahrzehnten beliebtesten griechischen Sänger

Auf Europatour geht im Mai 2017 der 1949 in Piräus geborene George Dalaras (wie er sich international nennt) beziehungsweise Giorgos (sprich: Jorgos) Dalaras mit seinem vor allem auf teils modern interpretierter griechischer Volksmusik und Rembetiko basierenden Repertoir. Er zählt nicht nur in Griechenland zu den beliebtesten Sängern, sondern gibt auch immer wieder Konzerte im Ausland. Nachstehend ohne Gewähr die bisher geplanten Stationen in Deutschland (via Ticketvertrieb)
BERLIN
Friedrichstadt-Palast
Mi, 10.05.2017
20:00 Uhr
NEU-ISENBURG
Hugenottenhalle
Fr, 12.05.2017
20:00 Uhr
KÖLN
E-Werk Köln
Sa, 13.05.2017
20:00 Uhr
HAMBURG
Laeiszhalle
Do, 18.05.2017
20:00 Uhr
MÜNCHEN
Philharmonie am Gasteig
Sa, 20.05.2017
20:00 Uhr
STUTTGART
Liederhalle Stuttgart
So, 21.05.2017
20:00 Uhr

Griechische Musik lustig mit internationalen Klängen verquirlt

Wer es jünger, quirliger, mit Einschlägen von Raggae, Ska und Jazz mag, dem wird vielleicht auch die griechische Band Locomondo gefallen, die ebenfalls im Mai viele deutsche Städte besucht:
10.05.17Bielefeld Forum TICKETS    fbook Event
11.05.17 Bochum Bhf. Langendreer TICKETS    fbook Event
12.05.17 Mannheim Alte Feuerwache TICKETS    fbook Event
14.05.17 Köln Die Kantine TICKETS    fbook Event
16.05.17 Wiesbaden Schlachthof TICKETS    fbook Event
17.05.17 Reutlingen Franz.K TICKETS    fbook Event
18.05.17 München Feierwerk TICKETS    fbook Event
20.05.17 Zürich Moods TICKETS    fbook Event

16. April 2017

Christos Anesti! Frohe Ostern!

Am heutigen Ostersonntag möchte ich alle meine Leser mit dem griechischen Ostergruß begrüßen
Χριστός Ανέστη! (Christós Anésti!
Christus ist auferstanden!

und ihnen
frohe Ostern 
wünschen

Weiteres zum griechischen Osterfest:

11. April 2017

Karwoche in Griechenland

Die letzte Woche der Passionszeit, die wir im Deutschen Karwoche oder Passionswoche nennen, heißt auch in der griechisch-orthodoxen Religion  Passionswoche (Evdomáda ton Pathon / Εβδομάδα των Παθών). Im allgemeinen alltäglichen Sprachgebrauch sprechen die Griechen aber von der "Großen Woche" (Μεγάλι Ευδομάδα / Μegáli evdomáda  bzw. zu einem Wort zusammen gezogen Μεγαλοβδόμαδο / Megalovdómada) und nennen die einzelnen Tage den "Großen Montag", "Großen Dienstag" etc. und folglich den Karfreitag Μεγάλη Παρασκευή / Megáli Paraskeví.
 
Die gelbgründige Fahne mit dem schwarzen Doppeladler vor griechischen Kirchen, die den orthodoxen Glauben symbolisiert, weht während der Karwoche auf Halbmast. Viele griechische Restaurants und Tavernen bieten in dieser Woche streng vegane Fastenspeisen an. Denn die meisten orthodoxen Gläubigen fasten zwar nicht die empfohlenen 40 Tage vor Ostern, zumindest aber während der "Großen Woche".

Jedem Wochentag der "Großen Woche" hat sein eigenes kirchliches Zeremoniell und spezielles Brauchtum.

Den Palmsonntag (Kyriaki ton Vajon) nennt man in Griechenland auch Kyriaki tou Lazarou (Sonntag des Lazaros). Der Brauch will, dass man an diesem Tag ein spezielles, lazarakia genanntes Gebäck backt, das frei von Zutaten tierischen Ursprungs sein muss und kleinen, in ein Leichentuch gewickelten Menschenkörpern gleichsieht.

Am Großen Montag gedenkt die orthodoxe Kirche der Säuberung des Tempels in Jerusalem von Händlern und Geldwechslern. Für den griechischen Laien bedeutet das Putztag. Osterputz ist angesagt.

Am Großen Dienstag geht es dann ans Weißeln. Haus- und Kirchenwände bekommen einen frischen weißen Anstrich. Gehsteige und Platten, die öffentliche Plätze pflastern werden gern mit frischen weißen Kontouren bemahlt. Alles soll in reinweißem, österlichem Glanz erstrahlen. In der Kirche wird die 859 entstandene Hymne der Kassiane (Tropario tis Kassianis) gesungen, die Geschichte einer einst sündhaften Frau, die bereute, ihr restliches Leben als Klosterschwester verbrachte und Vergebung ihrer Sünden fand.

Am Großen Mittwoch bekommen die Kirchgänger mit geweihtem Öl ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet, um sie damit von ihren Sünden zu reinigen und auf die Osterkommunion vorzubereiten.

Am Großen Donnerstag werden in der Kirche die zwölf die Leiden Christi beschreibenden Evangelien vorgetragen. Nach dem sechsten Evangelium gehen alle Lichter im Gotteshaus aus und die Gläubigen verfolgen mit angezündeten Kerzen die Nachstellung der Kreuzigung Christi, während sie den altgriechischen Psalm"Símeron kremáte epi ksílou....." ("Heute wird er an das Holz gehängt.....") singen, worauf sie das Einschlagen von Nägeln zu hören bekommen. Danach wird das Kreuz Christi in der Kirche aufgestellt, bevor die letzten sechs Evangelien vorgetragen werden. Frauen beginnen, den Epitafios zu schmücken, wie man einen hölzernen Sarg nennt, auf den am Morgen des Karfreitag ein goldbesticktes Tuch gelegt wird, das den Leichnam Jesu mit der Heiligen Maria und Engeln darstellt.

Am Großen Freitag wird der Epitaphios in einer festlichen Prozession um die Kirche herum und durch die Straßen getragen. Trauerzügen gleichen diese Prozessionen.

Am Großen Samstag empfängt der Orthodoxe Patriarch frühmorgens in der Grabeskapelle Jesu in Jerusalem das Heilige Feuer, das nach Athen geflogen und von dort aus im Land verteilt wird, um daran bei der Verkündigung der Botschaft von Christi Auferstehung die Kerzen der Gläubigen zu entzünden. Der Ostergottesdienst beginnt gegen 23.00 h. Kurz vor Mitternacht wird es still in den Kirchen und die Lichter gehen aus, bevor der Priester im Dunkel seine Kerze entzündet und das Feuer an die Gottesdienstbesucher weiter gibt. Von dem Moment an grüßt man sich mit Christos anesti (Christus ist auferstanden) Die Antwort darauf lautet Alithos anesti ( Wahrhaftig, er ist auferstanden).

Der Ostersonntag beginnt mit dem traditionellen, griechischen österlichen Nachtmahl, der Ostersuppe „Magiritsa“ ( sprich Majiritsa ) aus Lamminnereien und Kräutern. Dann beginnt ein Tag des Feierns, Musizierens und Tanzens. Am Spieß gegrillte Lämmer und Zicklein, rote Ostereier und Tsourekia genannte Osterbrote gehören dazu.

Weitere Artikel zum Thema:

> Zu den unterschiedlichen Terminen zwischen Ost- und Westkirchen für Ostern und andere bewegliche Feiertage

21. März 2017

Poesie ist in Griechenland allgegenwärtig

Zum heutigen World Poetry Day kommt mir in den Sinn, wie allgegenwärtig Poesie in Griechenland ist. Gedichte großer griechischer Poeten wie Giánnis Rítsos, Dionýsios Solomós, Napoléon Lapathiótis und der Literaturnobelpreisträger Giórgos Seféris und Odysséas Elýtis verstauben nicht vergessen auf Bücherregalen. Aus vielen von ihnen wurden populäre Lieder, die auf den Straßen und in den Tavernen des Landes zu hören sind. Als man Seféris zu Grabe trug säumten tausende Menschen die Straßen und sangen sein  Gedicht Arnisi (Entsagung) zu der von Mikis Theodorakis dazu komponierten Melodie. Unter dem Video die ungefähre deutsche Übersetzung in Prosa. Denn leider kennt man im deutschsprachigen Raum die Melodie eher mit einem ganz anderen Text mit dem Titel "Zusammenleben", gesungen von Milva, der nichts mit dem Ursprungstext, für den Theodorakis die Melodie schrieb zu tun hat.

An dem versteckten Strand,
der weiß wie eine Taube war,
bekamen wir mittags Durst,
aber das Wasser war brackig.

Auf den goldenen Sand
schrieben wir ihren Namen.
Wie schön wehte die Brise
und die Schrift erlosch.

Wie beherzt und begeistert
voller Wünsche und Leidenschaft
begannen wir unser Leben; Fehler!
Und wir änderten das Leben.

26. Februar 2017

Oberst Ljapkin von M. Karagatsis

Geschmack gefunden am Werk des griechischen Schriftstellers M. Karagatsis hatte ich bei der Lektüre seines 1957 auf Griechisch erschienenen und erst jetzt ins Deutsche übersetzten raffinierten, komplexen Kriminal- und Gesellschaftsromans Das gelbe Dossier. Nun habe ich auch seinen ersten, 1933 in Griechenland veröffentlichten Roman Oberst Ljapkin gelesen, der ebenfalls erst seit 2016 auf Deutsch vorliegt.

Griechische Provinz der Jahre nach dem ersten Weltkrieg

Ein fein gezeichnetes Bild des kleinstädtischen und dörflichen Lebens und der Landschaften der griechischen Region Thessalien

Während sein späterer Roman "Das Gelbe Dossier" in Athen spielt, führt uns Karagatsis mit seinem 1933 im Alter von 25 Jahren geschriebenen Jugendwerk über den Oberst Ljapkin in die griechische Provinz. An einer Landwirtschaftsschule beim Dorf Philippoupoli in der Nähe der Kleinstadt Larisa fand der vor den Bolschewiken geflohene russische Aristokrat und ehemalige Großgrundbesitzer Graf David Borissitsch Ljapkin eine Anstellung. Wie eine kleine, grünende und blühende Oase liegt die Schule mit ihren angrenzenden Stallungen, Gärten und Feldern inmitten weiter, baumloser Ebenen, die an die ukrainische Steppe erinnern. Herbst war es, als Ljapkin seine Stellung antrat. Morgens und abends steigen Nebel aus dem Fluss auf, doch tagsüber scheint eine "alles in klares, strenges Licht tauchende Herbstsonne". Es folgte ein harter Winter. "Tiefdunkel" und "gleichmäßig vom Pflug durchkämmt" liegen die weiten Flächen nun vor dem in der Ferne thronende und bis zu seinen Ausläufern mit Schnee bedeckten Olymp. "Die Schar der Krähen am bleiernen Himmel und auf den trockenen Zweigen wurde größer, und das Gekrächze herzzerreißender als sonst. Die Kälte und der Hunger ließen die Vögel noch schwärzer und trauriger aussehen." Das Frühjahr färbt den dunkelbraunen Boden grün. Bald wiegt sich darauf mit Beginn des Sommers "ein goldgrünes Meer von Ähren bis zum Horizont. Aber auf die Erntezeit folgte die Trostlosigkeit. Der Südwind versengte mit seinem heißen Atem jegliche Vegetation, und die Dohlen verschlingen die letzten Frösche in den morastigen Bewässerungsgräben."

Griechische Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft

Das in der Geschichte immer wieder aufscheinende Mitgefühl und herzliche Entgegenkommen gegenüber dem Neuankömmling zeugen von der gelebten Willkommenskultur der Griechen. 

Auf viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft trifft Ljapkin in Griechenland, wo der Fünfzigjährige nach Verlust all seines Hab und Guts und seiner Stellung als ranghoher Soldat der Zarenarmee sein Leben neu beginnen musste. Der Direktor der Schule, an der er arbeitet, wird ihm zum Freund, der ein offenes Ohr und viel Verständnis für ihn hat und sich laufend dafür einsetzt, seine Situation zu verbessern. Die Frau des Direktors wird ihm später zur Ehestifterin und Trauzeugin, die tatkräftig versucht, sein Leben und das seiner bisherigen Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder in geordnete, eheliche Bahnen zu lenken. Gern würden die beiden ebenso wie Kollegen und die kleinstädtische Gesellschaft Ljapkin dazu bewegen, mehr aus sich herauszugehen und sich in ihre Gemeinschaft zu integrieren. Immer wieder machen sie entsprechende Vorstöße. Verständnisvoll begegnen sie seinem Anderssein, ja selbst seinem zunehmenden Alkoholismus. Damit beschreibt der Roman das typische, offene, gast- und fremdenfreundliche Verhalten der Griechen, das zu allen Zeiten zu spüren war und ist - Von der schweren Zeit, zu der der Roman spielt bis in unsere Tage, die auch wieder fürwahr nicht einfach sind für Griechenland. Das verleiht dem Roman Aktualität. Die 1920-er Jahre in Griechenland waren eine unruhige, von Militärputschs geprägte Zeit. Vor allem aber galt es damals beileibe nicht nur die vergleichsweise geringe Zahl an russischen Flüchtlingen zu integrieren, denen sich der Roman widmet, sondern weit mehr aus Kleinasien Vertriebene, so dass Ende der 1920er Jahre der Flüchtlingsanteil in Griechenland ein Viertel der Bevölkerung ausmachte. Angesichts heutiger Flüchtlingsströme und der erneuten großen Hilfsbereitschaft und Offenheit der ja auch selbst schwer unter Entbehrungen durch Krise und Sparpolitik leidenden Griechen in unseren Tagen eine schöne Kontinuität!

Osteuropäische Mentalität

Von Heimweh geplagte russische Seele trifft auf die griechische 

Sehr zögerlich war Ljapkin, wenn es darum ging, am gesellschaftlichen Leben der Schule und der Stadt Larissa teilzunehmen. Die Einladung der Frau Direktor zu einer Silvesterfeier konnte er indes nicht ausschlagen. Der Abend verlief sehr angenehm und Ljapkin verstand es, sich mit der Leichtigkeit des geborenen Adeligen in die weltmännische Umgebung einzufügen. Er trank viel, redete viel, war guter Laune, machte den Damen reizende Komplimente, tanzte mit ihnen und erntete viele Beachtung und Bewunderung. Und dann zu vorgerückter Stunde holte er seine Balalaika und begann zu spielen und zu singen. "Die Griechen mit ihrem klaren und rationalisierten Seelenleben, dem Gefühl für das Maß in Freude und Trauer, hörten diesen für sie neuartigen Harmonien mit beklommenem Herzen zu. Eine unbekannte Welt tauchte vor ihren Augen auf" .... "Die Stimme eines menschlichen Volkes, so menschlich, dass es ans Unmenschliche reicht, mit einem Seelenleben, das so überbordet, dass es bisweilen sogar das seelische Minimum neutralisiert; die Stimme eines Volkes, das seine Stärken und Schwächen kennt, eine Stimme, die ein Mal in den Herzen der schlauen Mittelmeerbewohner hinterließ." Ljapkins Mund zittert, seine Stimme droht zu versagen, "aber er singt seinen Schmerz hinaus mit der Beharrlichkeit einer unbesiegten Seele und eines besiegten Willens. Es ist sein eigenes Drama, das er besingt. Wann wird er seine Heimat wiedersehen? Wann? "

Fazit

Sehr unterschiedlich sind die beiden nun auf Deutsch vorliegenden Werke von Karagatsis, bei denen es sich einerseits um sein Debüt und andererseits sein drei Jahre vor seinem Tod erschienenes, vorletztes fertiggestelltes Werk handelt.

Das Frühwerk Oberst Ljapkin wird vor allem all jene ansprechen und befriedigen, die sich angesichts der wenigen ins Deutsche übertragenen griechischen Romane erhoffen, bei der Lektüre in griechische Orte, Epochen, Denk- und Empfindungsweisen einzutauchen. Dies gelingt mit diesem Roman vortrefflich.

Karagatsis komplexeres, spannenderes und moderner wirkendes Spätwerk "Das gelbe Dossier" ist ein Stück Weltliteratur, an dem wohl jeder Literaturfreund seine helle Freude haben wird. Nur, wer in aller erster Linie darauf aus ist, möglichst viel über die griechischen Handlungsorte und -zeiträume zu erfahren, mag etwas enttäuscht werden und ist beim "Oberst Ljapkin" besser aufgehoben. Denn so plastisch wie in diesem Frühwerk des Autors Landschaften und kleinstädtisches und dörfliches Leben Thessaliens, zeichnen sich in seinem ausgereiften Spätwerk "Das gelbe Dossier" dessen Handlungsort Athen mit seinen Bewohnern nicht ab, weil es großenteils in geschlossenen Räumen und einem geschlossenen Kreis von Protagonisten spielt.
Mich als Griechenlandfan begeistern an dem Roman Oberst Ljapkin vor allem seine stimmungsvolle Beschreibung der griechischen Handlungsorte und seine treffenden Studien der Gesellschaft und einzelner Charaktäre. Reizvoll finde ich auch die Auslotung der seelischen Auswirkungen des Heimatsverlusts und des Aufeinandertreffens zweiter Mentalitäten und Kulturen, die wir Westler leicht versucht sind, in einen osteuropäischen Topf zu schmeißen. Ein erbauliches und erhellendes Werk!

Karnevalsausklang & Sauberer Montag in Griechenland

Kite
Auch in Griechenland wird natürlich Karneval gefeiert. Doch schneller als im Westen ist hier "Schluss mit lustig". Schon in der letzten Karnevalswoche üben sich fromme orthodoxe Christen in Fleischverzicht. Tyrófagou, d.h. Käsewoche, nennt man diese Woche daher. Denn Milchprodukte wie Käse sind noch erlaubt, bevor es im späteren Verlauf der Fastenzeit noch strenger zur Sache gehen wird bis hin zu streng veganem Fasten und sogar Verzicht auf Olivenöl an bestimmten Tagen. Der folgende Montag heißt Kathara Deftera, d.h. "Sauberer Montag". Neugriechisch müsste man eigentlich Kathari Deftera sagen. Das a am Ende von Kathera ist Mittelgriechisch. Der "Saubere Montag" entspricht weniger dem Rosenmontag des westlichen Karnevals als dem Aschermittwoch. Denn mit dem Kathara Deftera ist die Karnevalszeit bereits vorbei. Es ist ein Tag der Reinigung von Körper und Geist, der gesetzlicher Feiertag in Griechenland ist und die Zeit des Verzichts auf tierische Produkte einleitet. Nicht unter diese Regel fallen Schnecken und Meeresfrüchte wie Tintenfisch, Garnelen und Muschen, die als "blutleer" gelten und deshalb verzehrt werden dürfen. An ihnen labt man sich am Kathara Deftera am liebsten bei einem Picknick im Freien. Denn auch der Ausflug in die freie Natur und das Steigenlassen von Drachen gehören zu den Traditionen dieses Tags. Manche Gemeinden wie beispielsweise Plataria im Epirus bereiten auch in großen Töpfen und Kesseln riesige Mengen an Fastenspeisen wie beispielsweise eine Fasoláda genannte Bohnensuppe und sorgen für Musik, zu der getanzt wird.

Bildquelle: “Kite” von Paul Haahr ,lizensiert unter CC BY 2.0

> Weiterer Artikel zum Thema: Der Ablaufs des griechischen Karnevals

13. Februar 2017

Streiks dieses Jahr in Griechenland

Weitgehend streikfreier Jahresstart


Abgesehen von kleineren Arbeitsniederlegungen, zu denen die Gewerkschaft des Gemeindepersonals für jeweils einige Stunden aufgerufen hatte, begann dieses Jahr in Griechenland im Gegensatz zum Vorjahr weitgehend streikfrei. An den Wochenenden waren einzelnen Metrostationen geschlossen, was aber nicht streikbedingt war, sondern technische Gründe hatte.

Erste Streikankündigungen - Informationsquellen

Nun stehen wieder Streikankündigungen im Streikkalender http://www.apergia.gr/, einer sehr nützlichen Informationsquelle in Bezug auf Streiks, die allerdings griechischsprachig ist. Tipp dazu, wie man sie auch ohne Sprachkenntnisse nutzen kann am Ende des Artikels.

Vor allem über Streiks, die auch Reisende in Griechenland betreffen, unterrichte ich laufend auf Twitter unter @griechisches. 

Hier auf diesem Blog schreibe ich nur ab und zu über Streiks, beispielsweise wenn es sich um ausgedehnte Streiks im Flug- und Fährverkehr handelt.
Momentan gäbe es eine Arbeitsniederlegung im öffentlichen Dienst am 14. Februar ab 12:30 Uhr zu vermelden, sowie Arbeitsniederlegungen bei der Bahn und der Athener Vorortbahn "Proastiakos", die zu Zugausfällen führen: Dienstag und Mittwoch, 14. und 15. Februar treten die Beschäftigten ihrer Betreibergesellschaft TRAINOSE jeweils morgens zwischen 5:00 und 8:00 Uhr und abends zwischen 21:00 und 00:00 Uhr in den Ausstand. Voraussichtlich ist davon auch die Metroverbindung zum Flughafen betroffen, da eine Teilstrecke von der TRAINOSE betrieben wird

Den griechischsprachigen Streikkalender verstehen

Für diejenigen, die selbst ab und zu einen Blick auf den griechischen Streikkalender werfen wollen, der meiner Erfahrung die verlässlichste und detaillierteste zusammenfassende Quelle für Streikmeldungen ist, hier die Bedeutung seiner farbigen Felder:
Das wichtigste Feld für Reisende in Griechenland ist das grüne. Bei ihm werden sie rot sehen. Denn:
Grün steht für (öffentlichen) Verkehr!

Blau
steht für Gemischtes (Hierzu gehören z.B. Streiks im öffentlichen Dienst, der Privatwirtschaft, bei Gemeinden, Krankenkhäusern etc.
 Ziegelrötliches Rosé bedeutet Aufmärsche und Kundgebungen,
Rot weist auf Streiks im Erziehungswesen hin.

Nichts mit Streiks zu tun haben die Gelb- und Orangetöne
blasses Orange zeigt Feiertage an (was freilich auch für Reisende bedeutsam sein kann)
maisgelb sind Namenstage verzeichnet

Weitere Informationsquellen für Einzelheiten:
Ist man als der griechischen Sprache Unkundiger durch die griechischen Streikkalender erst einmal gewarnt ohne jedoch die Einzelheiten zu verstehen, so können die Griechenlandzeitung (deutsch) und das Bulletinboard von livinlovin.gr (englisch) nützlich sein. Obwohl sie meist nicht so vollständig und aktuell sind wie der griechische Streikkalender, berichten sie meist zumindest über das Wichtigste in dieser Beziehung und liefern Detailinformationen.

3. Februar 2017

Kumquat und die Spezialitäten, die man auf Korfu daraus macht

Jetzt im Januar und Februar ist auf den ionischen Inseln, insbesondere auf Korfu, die Haupterntezeit der auch Fortunella genannten Kumquat.
Obwohl sie wie eine etwas länglich geratene Miniorange aussieht, gehört die Kumquat nicht zu den Zitrusfrüchten, sondern zu den Rautengewächsen. Die kleine Frucht wächst auf circa zwei Meter hohen, etwas dornigen Sträuchern und hat einen herben, süß-sauren Geschmack. Ihre feinporige Schale wird meist mitgegessen, denn schälte man das Früchtchen, so bliebe nicht viel übrig. Innen besteht es aus fünf bis sechs Segmenten mit verhältnismäßig großen Kernen, die man normalerweise mitisst, obwohl sie bitterlich schmecken. Doch gerade dieses Zusammenspiel des herben Geschmacks der Schale mit dem süß-säuerliche des Fruchtfleischs und dem leicht bitteren der Kerne beschert dem Genießer ein reizvolles Geschmackserlebnis, das allerdings nicht jedermanns Sache ist. Die meisten Kumquatliebhaber stehen weniger auf die frische, unverarbeitet Frucht, als auf die leckeren Süßigkeiten und Spirituosen, zu denen sie gern verarbeitet wird. Kumquat in Sirup, kandierte Kumquat und Kumquatlikör gehören zu den beliebtesten Souvernirs von der Insel Korfu. Κουμκουάτ Κέρκυρας (Koumkouat aus Korfu) ist eine durch die EU geschützte Bezeichnung für den Kumquatlikör von Korfu.

15. Januar 2017

Januarvollmond und immer rarer werdende griechische Kaikis

Im Januar bei Vollmond muss ein Baum gefällt werden, soll aus ihm ein Kaiki werden - ein traditionelles griechisches Holzboot so wie sein Karavoskaro namens Chryssa - ,weiß Ioannis Prasinos, seiner Zunft καραβομαραγκός (karavomaragkós = Schiffsschreiner). In der vierten Generation übt seine Familie dieses rund 2500 Jahre alte griechische Handwerk aus. Ein Handwerk, das es zu bewahren gilt, soll über Jahrhunderte gesammeltes und erprobtes Wissen nicht verloren gehen.In Salamina betreibt Prasinos ein καρνάγιο (karnajo), eine Werft für traditionelle griechische Boote, wo nicht nur neue Holzboote gebaut, sondern auch Kaikis repariert werden. Die meisten davon werden für den Fischfang benutzt, manche auch zum Lasten- und neuerdings Touristentransport. Es gibt viele verschiedene Typen klein und groß:
Am weitesten verbreitet ist das sich selbst bei rauher See bewährende, gut auch große Wellen parierende trechandíri (oder trehandiri, je nachdem wie man die griechische Schrift transkribieren will), für das minoische Galeeren Modell standen und das wohl mit dem türkischen Tirhandil verwandt ist. Getakelt mit Mast, Vor- und Gaffelsegel wird es zum ránda. Ein typisches Lastenkaiki ist das breitere, trägere pérama. Recht klein und meist offen ist der varkalás
Die Traditional Boat Association hat sich dem Erhalt dieser vielfältigen Exemplare traditioneller griechischer Handwerkskunst verschrieben und organisiert Initiativen, Bootsschauen und Fotowettbewerbe. Denn nach ihren Untersuchungen, sind die Kaikis vom Aussterben bedroht. Waren noch vor zwanzig Jahren rund 14.500 griechische Holzboote unterwegs, die die größte Fischereiflotte Europas ausmachten, so wurden inzwischen davon schon rund 12.500 zerstört. Dieses Unheil hatte 1996 begonnen, seinen Verlauf zu nehmen, als EU-Regeln zur Verhinderung einer Überfischung in Kraft traten und tausende griechischer Fischer für Ausgleichszahlungen ihre Lizenzen abgaben sich damit einverstanden erklärten, ihre Boote zu zerstören.

Quelle: Englischer Online-Auftritt der griechischen Tageszeitung kathimerini

14. Januar 2017

Lammbraten - Arni sto Fourno

Lamm aus dem Backofen 

mit Wurzelgemüse und Kartoffeln

Griechischer Lammbraten - Eine Köstlichkeit!

Haltet danach in den Tavernen Griechenlands Ausschau ...

Αρνί (oder Αρνάκι) φούρνου (oder στο φούρνο) steht dort auf der Speisekarte geschrieben oder wird vom Wirt angepriesen.

Ausgesprochen wird das:
Arní  (bzw. Arnáki) fúrnu (bzw. sto fúrno)

Serviert wird Lammbraten in Griechenland meist mit Kartoffeln [auf Griechisch: πατάτες (patátes) oder πατατούλες (patatúles)]. Letzteres heißt eigentlich "Kartoffelchen", ist also eine Verkleinerungs- bzw Koseform. Denn die Griechen lieben ihre Leibgerichte so, dass die für sie gern die Koseform benutzen. Darum auch oben entweder prosaisch arní oder liebevoll arnáki).

Unbedingt probieren, auch wenn ihr vielleicht daheim kein Lamm mögt! Griechisches Lammfleisch ist köstlich. Es sind die natürliche, karge, großenteils aus Kräutern und Macchia bestehende trockene Nahrung griechischer Lämmer und ihre natürliche Lebensweise, die ihr Fleisch so lecker machen. Dazu kommt natürlich die geschickte, geduldige, gut gewürzte Zubereitung. 

.... oder versucht Euch selbst an Lammbraten

Hier das griechischen Tavernenwirten und Hausfrauen abgeschaute Rezept in meiner im kleinen Rahmen des deutschen Privathaushalts erprobten Lieblingsversion mit Wurzelgemüse:








Zutaten für 3-4 Personen:
  • 1 Lammschulter mit Knochen von ca. 1 bis 1,3 kg (mein Lieblingsteil! Ersatzweise: Lammhaxe. Ist das Teil kleiner, verringert sich die Garzeit)
  • Olivenöl
  • 4-5 Möhren
  • 4-6 Kartoffeln
  • 1 Petersilienwurzel (nicht unbedingt nötig)
  • 1/2 Knolle Sellerie 
  • Salz und Kräuter (frische Petersilie, Lorbeer, Thymian, Oregano und Rosmarin)
  • 2-3 Zehen Knoblauch

Zubereitung: 
  • Backofen auf 170 °C heizen
  • Möhren, Petersilienwurzel und Sellerie in kleine Würfel schneiden und in Olivenöl anbraten
  • Knoblauch, Lorbeer, Oregano, Thymian und Rosmarin dazugeben
  • die gewaschene und gesalzene Lammschulter auf die Kräuter und den Knoblauch legen
  • Kartoffeln rundum in der Pfanne / Kasserole verteilen
  • Weißwein aufgießen, so dass alles zumindest nahezu bedeckt ist
  • das Ganze mit Deckel in den Backofen schieben und bei 170 °C ca. 3 Stunden braten. 
  • Nach 3 Stunden Deckel entfernen, Temperatur auf 200 °C erhöhen und weitere 15 Minuten braten, bis die Haut schön hellbraun und resch ist.
  • Tranchieren, mit dem Gemüse und den Kartoffeln anrichten und frische Petersilie darüber streuen


 

6. Januar 2017

Zeremonie der Großen Wasserweihe am 6. Januar

Während am 6. Januar im Westen der Dreikönigstag gefeiert wird, wird im orthodoxen Griechenland der Taufe Christi und Offenbarung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit gedacht.  Theofania, Epifania (Epiphanie) oder Fota heißt das Fest hier. Neben Gottesdiensten und Prozessionen gehört zum Zeremoniell des Festtages die große Wasserweihe, bei der ein Kreuz in ein Gewässer geworfen wird, nach dem mutige Schwimmer tauchen, so wie hier auf Rhodos

4. Januar 2017

Das gelbe Dossier von M. Karagatsis

DAS GELBE DOSSIER von M. Karagatsis war meine Lektüre während der Feiertage und dem Jahreswechsel

Über 600 Seiten Lesevergnügen liegen hinter mir.

Es ist ein vielschichtiger, raffinierter, komplexer Gesellschaftsroman, den ich gerade zugeklappt habe. Damit wirkt das bereits 1956 in Griechenland erschienene und erst letztes Jahr in deutscher Übersetzung veröffentlichte Werk literarisch kunstvoll und modern. Sein Aufbau ist verschachtelt, aber so klar konstruiert, dass man als Leser seine Raffinesse genießt, den Faden aber nie verliert.

Drei Literaten im Mittelpunkt

Es geht in erster Linie um drei Schriftsteller: Um den Autor, der sich selbst zu einer der Romanfiguren macht, um den "Satan" Manos Tassakos und den "Erzengel" Kostis Roussis.

Ein Krimi, eine gelebte Philosophie und ein teufliches Experiment

Ausgangspunkt ist der als Selbstmord inszenierte Tod des Manos Tassakos im Athen des Jahres 1938. 16 Jahre danach bekommt der Autor Karagatsis ein dickes Dossier mit gelbem Deckel und der Anmerkung, er solle aus dem darin gesammelten Material den Roman machen, den Tassakos eigentlich selbst hätte schreiben wollen, wäre ihm nicht der Tod zuvorgekommen.

Das satanische an Tassakos ist, dass er alle übrigen Romanfiguren - die mit ihm und Roussis eng durch ein Geflecht von Abhängigkeiten, Emotionen und Leidenschaften verbunden sind, weniger als menschliche Wesen, denn als Material wahrnimmt - Experimentiermaterial für sein Romanprojekt. Um größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen, gilt es an deren Lebensbedingungen zu drehen und zu schrauben und sie gegeneinander auszuspielen, um die These dass unter den Leidenschaften der menschlichen Natur die Besitzgier an oberster Stelle steht experimentell zu untermauern oder zu widerlegen und daraus schließlich einen meisterlichen experimentellen Roman zu zimmern. Da er nicht nur Schriftsteller ist, sondern Recht studiert hat und als Rechtsanwalt und Anlageberater für seine "Versuchskaninchen" fungiert, ist ihm das ein Leichtes.

Tassakos zum Satan und Roussis zum Erzengel ernannt hat des einen Geliebte und anderen spätere Ehefrau Maria Petropoulou, ein mitgiftloses Opfer der in jenen Jahren herrschenden patriarchalischen Gesellschaft, das sich allerdings sehr wohl zu wehren und seinen eigenen Weg zu gehen weiß. Vor der Zeit mit Maria hatte vor allem Roussis auch ganz andere Züge gezeigt. In einem anderen Erzählstrang fließt dessen von Schicksalsschlägen geprägte Vorgeschichte ein, die schließlich seine rätselhafte Handlungsweise und Morphiumabhängigkeit erklärt. Tassakos hatte man zuvor als jemanden erlebt, der konsequent und rücksichtslos seine Philosophie lebt, eine von Nietzsche geprägte Philosophie, mit der er eine Einstellung untermauert, der jedes Mittel recht ist, wenn der Zweck es erfordert und die notfalls über Leichen geht.

Ein enger Kreis an Romanfiguren

Um diese zentralen Figuren gruppieren sich Marias Vater sowie der Neffe, der Sohn und der Arzt von Roussis. Eine Haushälterin führt das Zepter im Hause Roussis, bis man es ihr entreißt. Ein langweilige Reden schwingender Professor sowie der Roussis' Verleger gehören zu den wenigen Gästen, die Roussis einmal die Woche abends besuchen. Eine weitere Geliebte von Tassakos tritt auf. Damit schließt sich der Kreis auch schon fast. Hauspersonal, Notar und Geschäftspartner spielen eine marginale Rolle, wobei als interessant zu vermerken ist, dass ein Geschäftspartner von Roussis' Sohn den aus anderen Werken des Autors bekannten Namen Junkermann trägt. Ansonsten bleibt der Kreis der agierenden und vor allem viel debattierenden Figuren eng.

Industrie statt Bourgeoisie

"Es geht um die Bewohner der 'Burg von Athen', wie man damals den Stadtteil Kolonaki am Fuße des Lykavittos-Hügels nannte, in dem die reichen Griechen wohnten", verspricht der griechische Schriftsteller Petros Markaris im Vorwort. Meine daraus hergeleitete Hoffnung, mehr über dieses Viertel und über Leben und Gepflogenheiten der reichen Athener Bourgeoisie im Handlungszeitraum der 1920er­ und 1930er­Jahre zu erfahren, blieb allerdings enttäuscht. Über weite Strecken spielt die Handlung in geschlossenen Räumen, großenteils im luxuriösen, mit immensen Kunstschätzen ausgestatteten Haus von Roussis, in dem er mit seinem Neffen lebt. Roussis verlässt es zunächst gar nicht. Besuche finden nur an einem Abend in der Woche statt, allerdings stets von den Personen des ewig gleichen engen Kreises. Erst gegen Ende, nachdem er die viel jüngere Maria geheiratet und mit deren Hilfe vom Morphium losgekommen ist, geht er mir ihr nach draußen und schnuppert hinein in eine ganz andere Welt als die des Athener Nobelviertels Kolonaki - die Welt der aufkeimenden Industrialisierung mit ihren rauchenden Schloten und lärmenden Maschinen. Dieser Aspekt Griechenlands wird plastisch beschrieben. Er fasziniert Roussis. "Die Pressen vergleicht er mit den Fäusten weiser Giganten, die dem schmiegsamen Stahl in der Gussform Gestalt verleihen.Von den Lampen in der Trockenhalle erzählt er wie von dreihundert kleinen Sonnen, symmetrisch angeordneten Wärmequellen."

Von Anfang bis Ende ein spannendes, lohnendes Leseerlebnis

Letztendlich war es mir also nicht in dem erhofften Maße gelungen, durch das Buch in das Milieu der Athener Bourgeoisie des Handlungszeitraums einzutauchen. Dafür brachte mir das "Das gelbe Dossier" andere, unerwartete Lesefreuden. Der Spannungsbogen riss nie ab, während ich den oft unerwarteten Entwicklungen und Verwicklungen der Protagonisten folgte, die so detailreich, einfühlsam und plastisch beschrieben sind, dass ich sie gleichsam vor Augen hatte, als ich von ihrem Leben und Streben, ihren Leidenschaften, Machenschaften, Hoffnungen und Enttäuschungen las und ihren geistreichen Debatten über Philosophie, Moral, Religion, Recht, die Natur des Menschen, Kunst, Literatur, Staat und Gesellschaft beiwohnte.

Nun bin ich gespannt auf das nächste, ebenfalls 2016 auf Deutsch erschienene Buch des Autors, das auch schon neben meinem Lesesessel liegt: Oberst Ljapkin